Slum Reality – The Story of ULT
Wie aus einem kleinen Film eine Dokumentation wurde

Manchmal entstehen die besten Projekte genau dann, wenn man eigentlich etwas ganz anderes geplant hatte. So war es auch bei unserer Dokumentation “Slum Reality – The Story of ULT.” Ursprünglich wollten wir nur einen Imagefilm drehen. Etwas Kurzes, etwas Schönes, etwas, das man zeigen kann, wenn jemand fragt: „Und was macht ihr eigentlich genau in Kenia?“ Ein paar Interviews, ein paar Szenen aus dem Alltag im Slum, vielleicht ein paar Bilder aus der Schule. Fertig.

Doch ziemlich schnell merkten wir während der Dreharbeiten, dass hier etwas anderes entsteht. Die Gespräche wurden persönlicher, die Geschichten tiefer und die Bilder stärker, als wir erwartet hatten. Je länger wir filmten, desto mehr wuchs nicht nur das Material, sondern auch unser Spaß daran. Irgendwann war klar: Das wird kein Imagefilm mehr. Das wird eine echte Dokumentation.

Ein Film, der von vielen Menschen getragen wurde

Gedreht wurde im Oktober 2023 in Nairobiund was damals begann, entwickelte sich schnell zu einem echten Gemeinschaftsprojekt. Produziert wurde der Film von Patrick Griebel, während Olivier Moser die Dreharbeiten in Kenia übernahm und Dan Trautwein sowie Yves Baakes in Deutschland filmten. Für den finalen Look sorgte Marcus Badow als Colorist, den Schnitt übernahm Thomas Sausenund Sound sowie Musik kamen von Klangstatt Stuttgart.

All diese Menschen haben ihre eigene Perspektive und Kreativität eingebracht. Und genau dadurch wurde aus einer einfachen Idee plötzlich ein Film, der deutlich größer wurde als ursprünglich geplant. Vor allem aber entstand während der Dreharbeiten etwas, das man nicht planen kann: echte Begegnungen.

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Warum wir nicht von oben auf den Slum schauen wollten

Viele Filme über Slums beginnen mit großen Drohnenaufnahmen. Die Kamera fliegt über tausende Wellblechdächer, zeigt die Enge, den Staub und das Ausmaß der Armut. Diese Bilder sind beeindruckend, aber sie erzählen selten die ganze Geschichte.

Wir wollten deshalb bewusst einen anderen Blickwinkel wählen. Statt von oben auf einen Slum zu schauen, wollten wir auf Augenhöhe erzählen.Gedreht wurde deshalb größtenteils mit einer Kinokamera mitten im Leben der Menschen. In Gesprächen, in Begegnungen und in ganz normalen Alltagssituationen. Zuschauer sollen nicht auf einen Ort schauen, sondern das Gefühl bekommen, wirklich dort zu sein.

Und vor allem wollten wir eines vermeiden: Armut voyeuristisch darzustellen. Natürlich gibt es schwierige Lebensbedingungen im Slum. Aber genauso gibt es dort Mut, Humor und einen beeindruckenden Zusammenhalt zwischen den Menschen. Genau das wollten wir zeigen.

Dreharbeiten zwischen Hitze, Humor und sehr wenig Platz

Viele Interviews fanden direkt in den Häusern der Menschen im Slum statt. Und diese Häuser haben eine Eigenschaft, die man spätestens beim Betreten bemerkt: sie sind nicht besonders groß. Das bedeutete, dass sich unser gesamtes Filmteam oft in Räumen wiederfand, die eigentlich für zwei oder drei Menschen gedacht sind.

Während vorne jemand ruhig vor der Kamera saß und seine Geschichte erzählte, versuchte sich der Rest des Teams irgendwo hinter der Kamera unterzubringen. Kamera, Ton, Produzent, Regie – manchmal fühlte sich das ein bisschen an wie ein sehr kreatives Tetris-Spiel mit Menschen.

Dazu kam die Hitze. Es war teilweise so warm, dass die Kamera hin und wieder leicht verrutschte, weil Hände vor Schweiß glatt wurden. Einige dieser kleinen Verwackler sieht man im Film tatsächlich noch. Wir haben versucht, sie herauszuschneiden, aber nicht alle wollten verschwinden. Heute sind sie für uns einfach ein kleines Erinnerungsstück an diese Drehtage.

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Die Kinder und ihre große Liebe zur Kamera

Wenn irgendwo eine Kamera aufgebaut wird, dauert es im Slum nicht lange, bis sich eine kleine Menschentraube bildet. Die Kinder waren vom Filmteam mindestens genauso fasziniert wie wir von ihnen. Kaum stand das Equipment, tauchten plötzlich überall kleine Zuschauer auf, die ganz genau wissen wollten, was da eigentlich passiert.

Natürlich wollten auch alle vor die Kamera. Wirklich alle. Sobald es dann ernst wurde, kam meistens ein kurzer Moment der Schüchternheit, dieses vorsichtige Lächeln, wenn plötzlich ein Objektiv auf einen gerichtet ist. Aber diese Phase hielt selten lange an.

Spätestens nach ein paar Minuten war das Eis gebrochen und aus schüchternen Blicken wurde wieder das, was wir im Slum so oft erleben: Lachen.

Der schönste Moment kam erst nach dem Dreh

Einer der bewegendsten Momente rund um den Film passierte tatsächlich erst, als alles fertig war. Wir organisierten eine große Vorführung im Slum und schauten die Dokumentation gemeinsam mit den Menschen vor Ort. Leinwand, Stühle, ein bisschen Technik und sehr viel Neugier.

Was dann passierte, war einfach großartig. Jedes Mal, wenn jemand aus dem Slum auf der Leinwand erschien, riefen die Kinder laut den Namen dieser Person. Es wurde gejubelt, gelacht und teilweise so laut kommentiert, dass man den Film fast nicht mehr hören konnte. Manche Kinder fielen vor Lachen fast von ihren Stühlen.

In diesem Moment wurde uns klar: Dieser Film gehört nicht nur uns. Er gehört den Menschen, deren Geschichten darin erzählt werden.

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Eine Szene, die ULT perfekt beschreibt

Ganz am Ende des Films gibt es eine Szene, die für uns wahrscheinlich am besten beschreibt, was ULT eigentlich ist. Alle Beteiligten legen ihre Hand auf ihr Herz, genau dort, wo auch unser Logo sitzt. Währenddessen sieht man noch einmal die Menschen, die Teil dieser Reise sind: unser Team, die Menschen im Slum und all die Unterstützerinnen und Unterstützer.

Dieser Moment dauert nur wenige Sekunden, aber er zeigt etwas, das sich durch unsere gesamte Arbeit zieht: Zusammenhalt. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum dieser Film überhaupt entstehen konnte.

Die Reise des Films hat gerade erst begonnen

„Slum Reality“ ist 43 Minuten lang und hatte seine Premiere am 21. September 2024. Danach lief der Film eine Woche lang im Kino und wurde vor kurzem auch auf einem Filmfestival gezeigt. Seit letzter Woche ist er außerdem öffentlich zugänglich und wird ab sofort in jeder Dankesmail an unsere Unterstützerinnen und Unterstützer verschickt.

Für uns fühlt sich das allerdings nicht wie ein Ende an, sondern eher wie der Anfang einer neuen Reise. Unser Wunsch ist es, den Film an noch mehr Orte zu bringen – in Kinos, auf Filmfestivals, in Schulen oder zu Charity Screenings.

Wenn Du also ein Kino kennst, eine Veranstaltung organisierst oder einfach Lust hast, ein eigenes Screening auf die Beine zu stellen, dann melde dich bei uns. Manchmal braucht eine Geschichte nur eine Leinwand, damit sie Menschen erreichen kann. 🎬💛

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